Liebe Kiki, Manager sollten sich weniger wichtig nehmen und mehr lernen wollen.

erinnerst du dich noch daran, wie du Fahrrad fahren gelernt hast? Du kannst das vermutlich, oder? Möglicherweise ist es sogar dein regelmäßiger Fitnesssport. Irgendwann kann fast jedes Kind Fahrrad fahren; manche sogar recht spektakulär. Was ist in der Zeit vom Krabbeln bis zum Fahrrad fahren geschehen?

Nehmen wir mal an, du bis Manager und sollst einem Kind das Fahrradfahren beibringen. Was tust du?

Managementmodell 1:

Du beauftragst dein Kind, ein Fahrrad zu besorgen. Nach ein paar Tagen motzt du rum, weil dein Kind noch kein Fahrrad besorgt hat. Wie absurd erscheint dir das denn? Schließlich besorgst du selber eins – schön billig von Flohmarkt, wackelt zwar etwas, aber es hat zumindest zwei Räder. Nach einem erfolglosen Versuch deines Kindes fährst du dann selber auf dem Fahrrad, da das Kind offensichtlich nicht Fahrrad fahren kann. Toll gemacht! Zusätzlich erspart das deinem Kind schmerzhafte Stürze und Unsicherheiten beim Fahren – dir passiert das ja nicht mehr.
Möglicherweise erklärst du mich gerade zum Idioten, dass ich so ein Modell vorstelle. Aber, es gibt ja noch die Alternative …

Managementmodell 2:

Du besorgst ein schönes Fahrrad. Mit Geduld und geringst möglichem Einsatz lässt du dein Kind einfach Fahrversuche machen. Du bewahrst es dabei bestmöglich vor Stürzen, indem du neben dem Kind herläufst. Falls es dann doch mal stürzen sollte, bist du sofort da und tröstest das Kind. Anschließend munterst du es auf, einen weiteren Versuch zu starten. Und dein Kind ruft nach ein paar weiteren Schrammen unermüdlich „nochmal“ und „mehr“.

Und schon bald macht ihr eine erste gemeinsame Fahrradtour. Welch ein Vergnügen! Und nur bald später fährt dein Kind schon schneller als du und stürzt sich wagemutig steile Hügel hinunter, die du dir niemals zutrauen würden. Wie fühlst du dich dann? Vermutlich großartig und stolz.

Warum entscheiden sich nun viele Manager bei der Führung und Entwicklung ihrer Mitarbeiter für die Variante Managementmodell 1? Warum geben sie ihren Mitarbeitern unerfüllbare oder unklar formulierte Aufgaben, lassen diese in Problemsituationen gerne allein, motzen einfach rum?

Ich bin kein Phsychologe, aber oft nehme ich wahr: Manager haben Angst davor, dass Mitarbeiter besser werden als sie selber (schneller Fahrrad fahren). Oder sie haben keine ausreichende Geduld bis die Mitarbeiter die Stürze hinter sich gebracht haben und es endlich können (lieber selber fahren, als anderen zuzusehen bzw. Schaden vermeiden wollen). Oder sie können sich nicht am Erfolg ihrer Mitarbeiter freuen; sie neiden den Erfolg.

Um wie viel stärker und kompetenter entwickelt sich eine Firma, wenn man die Mitarbeiter einfach machen lassen würde. Damit ist nicht unkontrollierter und ungerichteter Aktionismus gemeint. Gib den Mitarbeitern den Rahmen vor und dann volles Vertrauen und volle Verantwortung mit allen Mitteln an den Mitarbeiter. Fehler (Stürze) wird es geben. Deine Verantwortung als Manager ist es lediglich, dass alle wieder aufstehen und keiner unters Auto gerät. Solltest du allerdings erkennen, dass aus den Fehlern (Stürzen) nicht gelernt wird, verschiebe das Fahrrad fahren Lernen auf einen anderen Zeitpunkt und versuche es mit etwas anderem.

Da fällt mir einer weiteres Beispiel ein: Ein Fußballtrainer käme nie auf die Idee, im Spiel selber aufs Feld zu laufen, um ein Tor zu machen; egal wie oft seine Spieler daneben schießen. Aber Manager machen so etwas vielfach gerne und übernehmen den operativen Job eines Mitarbeiters um diesen „endlich mal“ zu Erfolg zu führen.

Du machst das aber nicht – oder – vielleicht doch schonmal, Kiki?

Viele Grüße und bis bald bei dem Seminar,
Mahrad